Geheilt hat Er nicht –  Er hat durchgetragen

Eine Krebs-Story

Es ist wirklich erstaunlich, wenn man über den Tellerrand des Lebens hinaus sehen darf.

Im Allgemeinen denkt man, wenn man über Glauben und Gott nachdenkt, Er müßte einem alle Unpäßlichkeiten des Lebens hinwegnehmen, oder besser noch, erst gar nicht geschehen lassen.
Nun, ich hatte letztes Jahr das Privileg, verstehen zu dürfen, warum dies nicht immer der Fall ist. Ich durfte durch eine der gefürchtetsten Krankheiten unserer Zivilisation eine Erfahrung machen, die unbezahlbar ist. Von einem Augenblick auf den anderen gehörte ich zu den Millionen Betroffenen, die damit konfrontiert wurden, ich bekam die Diagnose Krebs. Ich möchte dir gerne ein paar interessante Einzelheiten hier mitteilen, einfach um aufzuzeigen, wie sich diese Sache entwickelt hat. Denn dies ist der Kern meiner Geschichte.
Vorab will ich dir schon sagen, sie hat ein positives Ende.
Und sie veränderte mein komplettes Leben, meine Sicht nicht nur auf die alltäglichen Dinge, sondern auf meine gesamte Existenz.
Es ist eine Liebesgeschichte geworden. Die Liebe meines Schöpfers, die Liebe Gottes, wirst du in meiner Story finden. Ich war zwar die Betroffene, mußte einiges über mich ergehen lassen, aber niemals alleine. Wie ein Schatten, eine zweite Haut, spürte ich Gottes Gegenwart während der ganzen Zeit, die für die Behandlungen notwendig war. Und wie punktgenau Seine Zeitrechnung war, das liebe Leserin/lieber Leser erzähle ich dir am Ende dieses kleinen Mutmachers. Freue dich darauf, es wird dir gefallen!

 Jesus beeile dich, wir müssen zur Hochzeit

Mein Wasser-in-Wein-Erlebnis

Eine heitere Geschichte mit einem sehr ernsten Hintergrund!

 Es war Silvester-Nacht! Nachdem die Böller endlich alle verstummt waren, saß ich nun mitten in der Nacht auf dem Rand meines Bettes, hatte mein Tagebuch vor mir liegen und wollte noch einmal in aller Ruhe mein vergangenes Jahr an meinem inneren Auge vorbeiflanieren lassen. Ein gewaltiges Jahr war zu Ende gegangen. Ein Jahr, das an Höhen und Tiefen nicht zu überbieten war. Ein reicher Schatz an Erfahrungen hatte sich mir aufgetan. Ich las meine Eintragungen der letzten Monate und wieder kam große Freude in mir auf. Jedoch nicht nur Freude, sondern auch tiefste Dankbarkeit erfüllte mich! Dankbarkeit über den Ausgang meiner Unpäßlichkeit, die mich Anfang des Jahres getroffen hatte – und über das Zeitmanagement meines Gottes! Doch ich will der Reihe nach erzählen.


Diagnosen und andere Unpäßlichkeiten

Im vorletzten Sommer ereilte mich über Nacht ein Blut-Hochdruck-Problem. Noch niemals zuvor hatte ich Probleme damit, doch die Werte stiegen auf über 250/140, sodass ich deswegen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Damit fing alles an.

Darauf folgte eine mißglückte Untersuchung von Magen-Darm, weil sich plötzlich auch in diesem Bereich Probleme auftaten. Und dem nicht genug, geriet mein Hormon-Haushalt so dimensional durcheinander, dass eine Total-OP notwendig wurde. Und damit fängt meine Story über die Liebe Gottes und Seinem Zeitmanagement an.

Im Dezember wurde seitens meiner Ärzte beschlossen, dass die notwendige OP zur Entfernung meiner kompletten weiblichen Geschlechtsorgane für Januar angesetzt werden sollte. Im ersten Moment weigerte sich jede Zelle meines Körpers dagegen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich zu den Frauen gehören würde, die sich damit schwer tun, ihre „Weiblichkeit“ zu verlieren. Dies war meine erste Erfahrung mit dem Thema, viele weitere sollten noch folgen. An den Weihnachtsfeiertagen dieses Jahres hatte ich große Mühe, meine Gedanken positiv zu halten. Immer wieder schlich sich Unsicherheit, ja sogar ab und an Angst in mir hoch. Zum Thema Angst hatte ich seit über 25 Jahren lernen dürfen – Angst kommt vom Feind, Angst lähmt, kostet Kraft, aber an der Situation an sich änderte sie nichts, außer dass sie negativ ist. Also bemühte ich mich, der Angst durch Glauben an Gottes Worte, die Mutmacher sind, entgegen zu wirken. Es gelang mehr schlecht als recht. Und so hatte ich eines Tages, ein paar Tage vor dem OP-Termin ein Gespräch mit einer guten Freundin, die meine Unruhe spürte. Sie meinte, es hilft, wenn man sich immer wieder vorsagt, dass alles vorbeigeht. Und in dieser schlimmen Zeit, wenn gar nichts mehr zu gehen scheint, gilt eines: Einatmen – ausatmen – einatmen – ausatmen! Zuerst dachte ich, sie hat gut reden, sie ist nicht in meiner Situation, ich war sogar etwas ärgerlich auf sie, ich dachte, sie versteht meine Situation nicht. Doch tatsächlich kamen Momente, wo ihr Rat Gold wert wurde.

Die OP verlief sehr gut, ich dachte in keinem einzigen Augenblick daran, dass „etwas“ nicht in Ordnung sein könnte. Doch es war so. Ich war bereits entlassen und wartete nur noch, aus dem Krankenhaus abgeholt zu werden, da wurde ich vom Chefarzt noch einmal zurück gerufen. Einfühlsam zeigte er mir die Bilder meiner OP, ich war mehr daran interessiert, zu verstehen, was er mir zeigte, als zu bemerken, dass dies ein sehr ernstes Gespräch wurde. Im Nachhinein glaube ich, dass Gott mir da schon einen bewahrenden Blickwinkel auf das nun Folgende gab, der mich die Tragweite der Aussage des Arztes gar nicht erfassen ließ – zu meinem Schutz! Ich bekam eine Krebs-Diagnose.

Ich hatte Krebs… „Ich doch nicht! Nein, das betrifft mich nicht!“ So flogen meine Gedanken. Doch… ich hatte! Nun mußt du wissen, dass ich in diesem neuen Jahr, das vor mir lag, keine Zeit für Krebs-Diagnosen eingeplant hatte, wollten doch zwei meiner Söhne heiraten. Mein Leben lang hatte ich auf diesen Moment gewartet, nun waren die Feste greifbar nahe, nun sollte ich den Krebs behandeln lassen. Dazu hatte ich keine Muse – überhaupt nicht!

Doch es half nichts. Ich bekam 8 Wochen Genesungszeit verordnet und sollte Mitte März zum zweiten Mal operiert werden. Die Ärzte wollten sicherstellen, dass der Krebs keine Lymphen befallen hatte. So verbrachte ich die nächsten Wochen mit Schonen – und Grübeln. Was wäre, wenn die Lymphbahnen bereits mitbefallen wären? Ich sah mich schon mit Chemo-Glatze. Trotz großer Anstrengung, Gottes Wort mehr Gewicht zu geben als meiner Angst, hatte ich eine wochenlangen Kampf. Dazu durfte ich keine schweren Arbeiten verrichten, was bedeutete, ich saß mehr oder weniger den ganzen Tag tatenlos herum, was natürlich wenig erbaulich für meine Psyche war. Doch der Blick auf die bevorstehenden Hochzeiten war mein Trost und meine Ablenkung.

Der Tag der zweiten OP kam Mitte März. Man entnahm mir 54 Lymphknoten um ja ganz sicher zu stellen, dass der Krebs nicht schon gestreut hatte. Lange hatte ich gezweifelt, ob ich dieser OP zustimmen sollte – hatte ich doch acht Wochen Zeit zum argumentieren. Letzten Endes waren 18 Fachärzte für die OP und ich gab nach. Auch die zweite OP verlief überraschend gut. Ich will nicht sagen, dass ich Angst vor einem positiven Ergebnis gehabt hätte, so gutgläubig hielt mich Gott in dieser Zeit. Doch als der zuständige Arzt dann nach der OP in mein Zimmer kam und das Untersuchungsergebnis brachte, das keine Anzeichen von Veränderungen in den Lymphknoten gezeigt hatte, saß ich heulend in meinem Bett. Die Lymphen waren sauber und ich war glücklich und glaubte ein weiteres Mal, nun sei endlich alles erledigt. Doch weit gefehlt.

Das gleiche Gremium von Fachärzten entschied, mir noch einige Bestrahlungen zu verordnen, um alles auszuschließen. Diese Entscheidung teilten mir die Ärzte mit, als ich bereits beim Entlassungsgespräch saß. Wieder wurde ich vor vollendete Tatsachen gestellt, nachdem ich fest überzeugt war, alles sei wieder gut. Also hatte ich wieder acht Wochen Zeit, mich von der zweiten OP zu erholen und an den Gedanken zu gewöhnen, noch eine Strahlen-Therapie über mich ergehen lassen zu müssen. Des weiteren wurde mir eine Reha-Maßnahme verordnet, die mindestens drei Wochen Zeit in Anspruch nehmen würde. Zeit, die ich eigentlich nicht hatte, da ich ja die Hochzeiten meiner Söhne im Blick hatte. So gerne wollte ich dabei sein, wenn das Hochzeitskleid meiner Schwiegertochter ausgesucht wurde. Alle Vorbereitungen wollte ich miterleben. Ich freute mich so sehr auf die vor uns liegenden Feste – und nun hatte ich „anderes zu tun“… Strahlentherapie und Reha wurden wichtiger als die Hochzeiten meiner Kinder.

Das konnte ich niemals so stehen lassen, damit war ich nicht einverstanden. Also tat ich, was ich immer tue wenn ich mich bedrängt fühle. Es gibt nur einen, der mir in solchen Situationen effektiv helfen kann… Jesus! Mein Herr und Heiland, mein bester Freund. Im Laufe der letzten 25 Jahre hatte ich einige Erlebnisse mit Ihm, in denen unerwartete Hilfe kam, immer perfekt abgestimmt auf meine Situation. Also suchte ich in einer der vielen schlaflosen Nächte Gottes Nähe und betete: Herr, mein Leben gehört doch schon Dir. Du weißt alle Dinge, auch den Ausgang meiner Unpäßlichkeit… Du allein kannst jetzt meine Zeit einteilen.

Jesus – beeil Dich   😉

Und was ich nun nachfolgend schreibe, entspricht exakt dem Werdegang, Datum für Datum! Dies ist nicht zu überbieten und menschlich gesehen unmöglich. Es begann ein Räderwerk an Zeitmanagement, das mir heute noch unglaublich erscheint. Wenn du diese Geschichte gelesen hast, kannst du nie mehr sagen, es gibt keine höhere Gewalt in unserem Leben, denn was ich erlebt habe, ist nicht „normal“ sondern grenzt an Wunder an Wunder an Wunder! Doch nicht nur die Zeit wurde perfekt eingeteilt, auch all die Kleinigkeiten, die passierten, waren im Nachhinein gesehen, „über“natürlich! Zum besseren Verständnis will ich die genauen Datumsangaben dazu schreiben.

Die OP der Lymphen war Mitte März, danach kam eine 6-wöchige Genesungszeit. In diesen sechs Wochen hatte ich Zeit, mich um einen Termin für die Strahlen-Therapie zu bemühen. Die Therapie sollte in Heidelberg in der Uniklinik vorgenommen werden. Die Termine waren in der Regel einige Wochen im Voraus verplant, danach sollte eine 3-wöchige REHA angehängt werden. Auch in den REHA-Zentren waren einige Wochen Wartezeit üblich.Nun hatten wir inzwischen Mitte April, ich hatte noch keinen Termin in Heidelberg und die erste Hochzeit war für Ende Juni geplant. Alles war bereits bestellt und organisiert, also konnte sie nicht mehr verschoben werden. Ende Juni war somit „mein Ziel“. Das waren sozusagen maximal acht Wochen Zeit für mich. Sollte ich die Behandlungen in dieser Zeit nicht abschließen können, konnte es passieren, dass ich die Hochzeit meines Sohnes verpasste. Damit konnte ich mich nicht abfinden, darum betete ich weiter und brachte mein „Anliegen“ ständig vor Gott.

Wenn ich heute an diese Gebete denke, muß ich schmunzeln. Stell dir vor, du feilschst mit Gott über Zeit. Ich erinnerte Jesus an Sein erstes Wunder bei der Hochzeit in Kana, das in der Bibel in Johannes 2 beschrieben wird. Jesus war eingeladen, der Wein wurde leer und Jesus verwandelte 600 Liter Wasser in qualitativ hochwertigen Wein. Diese Geschichte, aus meiner damaligen Sicht auf unsere eigene Hochzeitsfeier gelesen, enthält schon einen gewissen Anteil an Witz und Spaß. Also kann Jesus kein trockener, mißmutiger Gast gewesen sein. Und da in der Bibel steht, dass Jesus gestern, heute und morgen der Gleiche sein wird, ging ich einfach davon aus, dass Jesus meine Zeit einteilen konnte. Amen!

Ich ging also in die Strahlenpraxis, die unserem Krankenhaus angegliedert ist, um zu klären, wie ich schnellstmöglich einen Termin für die Therapie bekommen konnte. Damals wußte ich nicht, dass nur in Heidelberg die Art meiner Bestrahlung durchgeführt wird. Dies bekam ich dann erklärt und meine Hoffnung auf einen baldigen Termin sank. Traurig schaute ich die freundliche Mitarbeiterin in der Praxis an und erzählte ihr von der Hochzeit meiner Söhne, wie Frauen eben so erzählen. Sie meinte, es wäre nicht einfach, einen kurzfristigen Termin zu bekommen, 3-4 Wochen Wartezeit wären in der Regel. Während des Gespräches meinte sie plötzlich, sie könne etwas probieren. Sie telefonierte, erklärte die Sachlage, erwähnte die Hochzeiten… und einige Minuten später hatte ich einen Termin in Heidelberg, Ende April! Gerade einmal sieben Tage Wartezeit waren das Ergebnis meines „Frauen-Gespräches“.

Ich dankte meinem Gott! Sieben Tage später hatte ich bereits das Informationsgespräch in Heidelberg. Zwei Mitarbeiterinnen der Strahlenabteilung erinnerten sich an mich. Ausschlaggebend war das Gespräch der netten Frau in der Strahlenpraxis bezüglich meiner Terminnot wegen der Hochzeit. Als ich mich vorstellte, strahlten sie mich an und fragten, ob ich die Frau „mit den Hochzeiten“ wäre. Diese Story hatte zur Folge, dass sie meinetwegen einige Termine verschoben, die anscheinend nicht so dringend waren, und mir somit 3 Tage später meine 1. Behandlung ermöglichte. Halleluja! Was normalerweise Wochen dauerte, wurde bei mir nach ein paar Tagen möglich. Zwei Wochen später hatte ich die Strahlentherapie erfolgreich hinter mich gebracht. Trotz der ernsten Lage der Dinge hat mich meine gute Laune niemals verlassen, inmitten von Apparaten, Schläuchen und einem strahlensicheren Behandlungsraum, vor dem ich Anfangs etwas Angst hatte, erzählte ich den beiden Mitarbeiterinnen von meinen Kindern, die heiraten wollten. Frauen sind immer empfänglich für Hochzeiten, somit trugen ihre freundlichen Gespräche mit mir immer dazu bei, dass ich den Ernst der Lage gut überbrücken konnte. Und die Krönung war, dass der behandelnde Arzt zur gleichen Zeit heiraten wollte, wie meine Kinder, somit hatte ich natürlich den doppelten „Hochzeits-Bonus“. Ich erzählte auch von meiner Zeitnot und war erstaunt, als seitens dieser freundlichen Crew wie selbstverständlich ein Termin für meine Reha-Nachbehandlung vereinbart wurde. Nicht, wie üblich, Wochen später, sondern genau eine Woche nach Beendigung der Strahlentherapie. Auch dies war ein Wunder!

Als ich mich in der Reha-Klinik anmeldete, schmunzelte die Mitarbeiterin und fragte, ob ich die Frau „mit den Hochzeiten“ wäre, sie hätte davon gehört und mir aus diesem Grund einen vorgezogenen Termin gegeben. Somit hatte meine Geschichte mit der Zeitnot ihre Runden bereit gedreht. Ich war hoch erfreut! Am 11. Juni war meine Reha abgeschlossen – am 26. Juni fand die erste Hochzeit statt. Es blieb mir noch genügend Zeit, mir ein schickes Kleid zu kaufen. Inzwischen war natürlich das Hochzeitskleid gekauft, doch meine liebenswerte Schwiegertochter hatte mit dem Kauf des Schleiers tatsächlich gewartet, bis ich wieder zuhause war. Schleier, Schmuck und Hochzeitsschuhe suchten wir dann zusammen aus. Es wurde ein überaus harmonisches Fest, ich war die glücklichste Mutter und Schwiegermutter, die man sich vorstellen kann. Jesus hat mich nicht enttäuscht oder im Stich gelassen. Wie in der Bibel steht, hat Er mein Wasser zu Wein verwandelt. Ich war durch die vielen Monate der Krankheit gegangen ohne wirklich die Tragweite zu begreifen, die solche eine Diagnose mit sich bringen kann. Dies ist mein Geschenk von Gott, so sehe ich das heute. Er hat mich bewahrt, bei jeder Operation hatte ich keinerlei nenneswerte Beschwerden, immer hatte ich nette Bettnachbarinnen, immer waren meine Lieben und meine Freunde um mich, sodass ich mich niemals einsam oder alleine fühlte. Selbst die zeitnot-geplagten Schwestern und Ärzte waren immer sehr freundlich und hilfsbereit, so arbeitet Gott!

Dank der heutigen Telefontechnik war ich immer im Kontakt mit allen. Seitdem verstehe ich den positiven Aspekt von Whatsapp und Facebook ganz anders. Auch die Genesungszeiten waren gesegnete Zeiten. Ich hatte alle Möglichkeiten, mich zu erholen, hatte keinerlei Verpflichtungen in dieser Zeit. Meine Lieben sorgten auch zuhause für alles, auch das ist ein großes Geschenk. Gott war immer treu an meiner Seite. Selbst in der Reha spürte ich Seine Hand über mir. Alles war einwandfrei. Er hatte sogar ein ganz spezielles Geschenk für mich bereit. Niemals hätte ich auch nur im Ansatz erwartet, was mir in der Reha möglich wurde.

Als ich dort ankam, sah ich mit Freude, dass in dem allgemeinen Aufenthaltsraum ein Flügel stand. Natürlich bemühte ich mich um die Erlaubnis, darauf spielen zu dürfen – die ich dann auch bekam. Ich spielte meine eigenen, von mir komponierten Lieder und nach und nach versammelten sich 10 Frauen um mich, denen mein Spiel gefiel. Es war eine große Freude. Und die Krönung war ein Donnerstag, an dem üblicherweise ein kleiner Gottesdienst in der Klinik abgehalten wurde. An diesem Donnerstag war ein Feiertag und keiner der Pastoren und Ärzte, die das sonst abhielten, waren zur Verfügung. Darüber unterhielt ich mich am Vortag mit einer netten Ärztin. Während unseres Gespräches fragte sie mich, ob ich nicht bereit wäre, den Gottesdienst abzuhalten. Zuerst verneinte ich, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Doch es ließ mir keine Ruhe.

Mitten in der Nacht wachte ich auf und es drängte mich sehr, eine kleine Predigt vorzubereiten. Auf meinem Laptop stellte ich alles zusammen. Ich wählte bekannte Lieder, schrieb einen Impuls über eine Bibelstelle aus dem 23. Psalm, in dem ich behutsam auf Krankheit und Gottes Liebe hinwies. Und am Ende ein Gebet mit der Bitte um Kraft und Frieden inmitten der Situationen der Menschen betete, die evtl. dem Gottesdienst beiwohnen würden. Es floß einfach so durch meine Hände und 20 Minuten später hatte ich ein fertiges Manuskript geschrieben.

Ich wußte, Gott wollte das so haben. Wenn ich ehrlich bin, freute ich mich darauf, diese kleine Andacht zu leiten, was für mich das erste Mal sein sollte. Ich schrieb also mitten in der Nacht dieses Andachts-Manuskript. Nun hatte ich jedoch keinen Drucker zur Verfügung, um einige Exemplare zu drucken. Ich überlegte… wenn ich mein Manuskript von einem meiner Email-Postfächer in ein anderes Postfach senden würde, hätte ich Zugriff auf die Daten. Wenn weiterhin jemand am kommenden Morgen – einem Feiertag – in der Verwaltung der Reha-Klinik anwesend sein würde, könnte ich vielleicht fragen, ob ich das Geschriebene ausdrucken durfte. Es waren viele Wenn´s… eigentlich zu viele, um dieses Problem lösen zu können. Doch ich versuchte am Morgen mein Glück. Und tatsächlich, als ich nachfragte, war eine der Angestellten „zufällig“ eine Stunde anwesend, weil sie einen Sonnenschutz an ihrem Bürofenster anbringen wollte… Einen Sonnenschutz an ihrem Bürofenster an einem Feiertag morges um zehn….

Tja! Wenn Gott etwas will, funktioniert alles wie am Schnürchen… Ich brachte also mein Anliegen vor, sie schaltete den PC ein und druckte mein Manuskript 1x aus. Sie fragte, ob ich mehrere Ausdrucke brauchen würde und ich sagte mutig „ja alle 8 Blätter bräuchte ich 10 mal“. Die nette Frau schaute mich etwas erstaunt an und somit erklärte ich ihr in kurzen Worten, was ich mit den Blättern im Sinn hatte. Daraufhin nahm sie die acht Blätter und kopierte sie zehn mal – und ich hatte mein Manuskript! Halleluja! Ich lieh mir noch Locher und Hefter aus, ging auf mein Zimmer, heftete alles zu kleinen Bündeln zusammen und war fertig! Beim Abendessen lud ich über das Mikrofon alle Anwesenden zu der Andacht ein und tatsächlich füllte sich der kleine Saal bis zum letzten Platz. Es war eine gesegnete Stunde. Der Herr hatte mich geleitet und die Anwesenden fühlten sich sichtbar wohl. Noch eine Stunde nach Ende der Andachtszeit standen wir dort und unterhielten uns. Dies war einer der Höhepunkte, die den Grund meiner Reha gänzlich in den Hintergrund treten ließ.

Eine Randgeschichte berührt mich heute noch zutiefst. Eine junge Frau war gekommen. Sie hatte einen stark angeschwollenen Bauch, sah aus als wäre sie schwanger. Sie hatte jedoch einen Krebs im Bauchraum. Wie schlecht es um sie stand, wußte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie kam und hörte aufmerksam zu. Ich sprach über Gottes Liebe auch oder gerade in schwersten Zeiten. Ich sprach über Gottes liebende Hände, die uns immer halten, egal was passiert und dass wir niemals alleine gelassen werden, wenn wir uns Ihm zuwenden. Wir sangen zwei mutmachende Lieder und ich betete für die Anwesenden. Sie ging wortlos, jedoch hatte ich den Eindruck, sie hatte einen entspannten Gesichtsausdruck. Es war Donnerstag Abend. Bereits am kommenden Tag sah ich sie beim Essen, sie sah sehr schlecht aus im Gegensatz zu dem Tag vorher. Am Sonntag saß sie inmitten ihrer gesamten Familie. Sie mußte im Rollstuhl gefahren werden, der Tod stand ihr im Gesicht. Es war herzzerreißend, sie so zu sehen, auf ihrem Schoß saß ihr dreijähriger kleiner Sohn, neben ihr ihr bildhübcher Mann. Man sah den Angehörigen an, was hier vor sich ging. Dies war das letzte Mal, dass ich die Frau sah. Ich nehme an, sie hat nicht mehr lange gelebt. Meine kleine Andacht war wahrscheinlich das letzte, was sie von Gottes Liebe hörte. Vielleicht war ich Gottes Werkzeug, ihr den Weg zu zeigen. Wer weiß! Drei Wochen waren im Nu vergangen, ich wurde entlassen und, wie gesagt, 10 Tage später feierten wir das erste von vier wunderbaren Festen. Mein Gott hatte mich nicht hängen gelassen.

Der Krebs war und bleibt Fakt

Etwas möchte ich noch hinzufügen. Wenn du meine Story liest, könntest du den Eindruck bekommen, eine Krebserkrankung ist eine Kleinigkeit. Dem ist nicht so. Du hast gelesen, wie Gott mich durch diese Zeit geführt hat. Nun ist ein Jahr vergangen. Alles ist gut. Doch ich habe mich sehr verändert, dies ist sehr wichtig, zu erwähnen. Ich muß mit der Gewissheit leben, dass ich Krebs hatte. Diese Tatsache läßt sich nicht einfach so abschütteln. Der Gedanke, dass vielleicht noch irgendwo in meinem Körper ein paar Zellen ihr Unwesen treiben, bleibt. Der Gedanke, dass meine Zeit vielleicht begrenzter sein könnte, als ich kalkuliert habe, bleibt ebenso. Die Nachwirkungen der OP´s und der Bestrahlungen sind täglich meine Begleiter. Ein intakter Hormonhaushalt wurde einfach so auf 0 gesetzt. Die fehlenden Lymphknoten verursachen immer Wassereinlagerungen, was zur Folge hat, dass ich Drainage brauche. Die Strahlentherapie hat ihre Spuren in meiner Haut und meinem Adernsystem hinterlassen. Auch wenn die Ärzte dies verneinen, so habe ich doch einige Unpäßlichkeiten deswegen. Und dazu kommt eine enorme Gewichtszunahme und der Fakt, dass meine Arbeitskraft mindestens um die Hälfte verloren gegangen ist. All diese Dinge sind Beiwerk – nerviges Beiwerk!

Das Gute daran ist…. ich mußte mein Leben neu ordnen. Für mich, für meine Psyche, mein Umfeld, meinen Tagesablauf. Gut deshalb, weil ich gezwungen wurde, mein Leben zu überdenken und neu zu strukturieren. Alle Arbeiten, die unnötig sind, was nach reiflicher Überlegung tatsächlich einiges an Zeit und Kraft in Anspruch nimmt, habe ich abgestellt. Ich beschränke mich auf das Wesentliche. Und die Moral ist – ich fühle mich viel freier, weniger unter Druck, genieße jeden Tag neu in der Erkenntnis, Tage zur Verfügung gestellt bekommen zu haben, die ich damit verbringen darf, Gottes Berufung für mich zu leben.

Dieser Bericht zum Beispiel ist eine meiner Arbeiten in Gottes Auftrag. Vielleicht liest du diese Zeilen gerade in einem Moment, in dem du Ermutigung brauchst. Oder du kannst ihn weiter empfehlen für einen anderen Menschen in solchen Nöten. Wer weiß?!? Geheilt hat Gott mich in dem Sinne nicht, dass mir alle OP´s, die Strahlentherapie, die Reha-Nachbehandlung und die bleibenden Unpäßlichkeiten erspart geblieben wären. Geheilt hat Er mich dahingehend, dass Er mich durch diese Zeit geführt hat. Ich mußte diese Zeit durchleben – und ich bin reifer, ruhiger, gelassener, zufriedener heraus gekommen. Ich glaube, wir sollten ab und an – wenn die Zeiten sehr schwierig werden – über den Tellerrand unseres Lebens hinaus sehen. Uns neu orientieren, neu ausrichten. Das Leben ist zu kurz – das wurde mir klar – um es nicht ganz bewußt zu leben!

Ich wünsche dir allezeit Gottes liebende Hand über deinem Leben!

Sei gesegnet!